Ukraine Aktuell: ″Höllenlandschaft″ in Mariupol | Aktuell Welt | DW

Ukraine Aktuell: ″Höllenlandschaft″ in Mariupol | Aktuell Welt | DW

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Menschenrechtler sprechen von „Höllenlage“ in Mariupol
  • Selenskyj soll per Videoschalte auf NATO-Gipfel sprechen
  • Innenministerin Faeser drängt auf faire Verteilung der Flüchtlinge
  • Ernährungsminister Özdemir: Bitte nicht hamstern 

 

Offenbar mit stockenden Geländegewinnen konfrontiert haben die russischen Streitkräfte den Beschuss ukrainischer Städte nochmals verstärkt. Unter anderem schlugen in der belagerten Hafenstadt Mariupol nach Angaben der Stadtverwaltung zwei „extrem starke Bomben“ ein. 

„Es ist klar, dass die Belagerer sich nicht für die Stadt interessieren, sie wollen sie auslöschen, in Asche verwandeln“, erklärte die Stadtverwaltung von Mariupol. Die beiden besonders starken Bomben seien während einer Evakuierungsaktion eingeschlagen.

Ukraine-Konflikt Eindrücke aus der Region Mariupol

In Mariupol sollen sich noch etwa 200.000 Menschen aufhalten

In Mariupol sind nach Behördenangaben noch mehr als 200.000 Menschen eingeschlossen. Die Lage ist nach wochenlangem russischem Beschuss und Belagerung dramatisch. Bewohner, denen die Flucht gelang, berichteten nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch von einer „eiskalten Höllenlandschaft voller Leichen und zerstörter Gebäude“. 

Kein Wasser, keine Nahrung, kein Strom

Tausende Menschen harren den Angaben zufolge in unterirdischen Räumen aus – ohne Wasser, Nahrung, Strom und Kommunikationsmöglichkeiten. Nach Angaben des von Human Rights Watch zitierten stellvertretenden Bürgermeisters starben in Mariupol bisher mehr als 3000 Zivilisten. In die strategisch wichtige Hafenstadt sind bereits russische Panzer vorgedrungen, vollständig erobert wurde sie aber von den Angreifern noch nicht.

Angriffe des russischen Militärs werden auch im Umkreis der Stadt Riwne im Nordwesten der Ukraine gemeldet. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau wurden dabei mehr als 80 Kämpfer der ukrainischen Seite auf dem Truppenübungsplatz Nowa Ljubomyrka bei einem Raketenangriff getötet. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

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„Schwierig, manchmal skandalös“

Ungeachtet der Kampfhandlungen bemüht sich der ukrainische Präsident Wolodymir Selenskyj weiter um Verhandlungen mit Russland. „Sie sind sehr schwierig, manchmal skandalös, aber wir bewegen uns Schritt für Schritt vorwärts“, sagte Selenskyj in einer in der Nacht zum Mittwoch verbreiteten Videoansprache.

Vertreter der Ukraine seien tagtäglich bei den Verhandlungen im Einsatz. „Wir werden arbeiten, wir werden so viel wie möglich kämpfen. Bis zum Ende. Mutig und offen.“ Die Unterhändler seien unermüdlich im Einsatz. „Ausruhen können wir uns, wenn wir gewonnen haben.“

NATO lädt Selenskyj zu Videoschalte ein

Der ukrainische Präsident erhielt unterdessen eine Einladung, sich am Donnerstag per Video an die Staats- und Regierungschefs der NATO-Mitglieder zu richten. Die Teilnehmer des Sondergipfels könnten „Selenskyj dann direkt über die katastrophale Situation sprechen hören, in der sich das ukrainische Volk wegen der Aggression Russlands befindet“, sagte ein Vertreter des Verteidigungsbündnisses.

Die Allianz liefere der Ukraine bereits „eine bedeutende Menge an wichtiger Militärausrüstung“, hieß es weiter. Die Mitgliedsstaaten wollten auf dem Gipfel prüfen, was sie „zusätzlich tun können“, um ihre Unterstützung zu verstärken.

Geprägt wird der NATO-Gipfel von der Sorge der 30 Bündnispartner vor einer Eskalation im Ukraine-Krieg. Die NATO wies wiederholt Selenskyjs Forderung nach Einrichtung einer Flugverbotszone über der Ukraine zurück, da dies ein aktives Eingreifen der NATO in den Krieg bedeuten würde.

Selenskyj hatte sich in den vergangenen Tagen bereits an mehrere Parlamente in verschiedenen Ländern gewandt. Er sprach unter anderem vor dem US-Kongress, dem britischen Unterhaus, dem israelischen Parlament, dem Europaparlament und dem Bundestag. An diesem Mittwoch spricht er vor dem französischen Parlament.

Macron telefoniert ein achtes Mal mit Putin

Unterdessen telefonierte der französische Präsident Emmanuel Macron erneut mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin. In seinen Bemühungen um eine Waffenruhe gebe es „derzeit keine Einigung“, aber der französische Staatschef bleibe „überzeugt von der Notwendigkeit, seine Anstrengungen fortzusetzen“, erklärte der Elysée-Palast.

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Es handelte sich um das inzwischen achte Telefonat der beiden Präsidenten seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine.

Faeser: „Wir sind viel besser aufgestellt“

Bundesinnenministerin Nancy Faeser forderte unterdessen eine faire Verteilung ukrainischer Flüchtlinge in der EU. Zugleich wies sie Forderungen nach einer besseren Koordinierung durch den Bund zurück. „Seit dem ersten Tag des Krieges koordinieren wir die Aufnahme und Versorgung der Geflüchteten sehr eng mit den Ländern“, sagte die SPD-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. 

Deutschland Bundestag in Berlin | Debatte | Nancy Faeser, Bundesinnenministerin, SPD

Innenministerin Faeser will klären lassen, ob Geflüchtete auch außerhalb der EU Aufnahme finden können

Erst am vergangenen Donnerstag habe Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erneut mit den Ministerpräsidenten über das Thema beraten. Integrations- und Sprachkurse würden bereits geöffnet, medizinische Versorgung und Arbeitsmarktzugang ermöglicht. „Wir sind viel besser aufgestellt als wir es bei früheren Fluchtbewegungen waren.“

Es habe nun absolute Priorität, für eine faire Verteilung in der gesamten EU zu sorgen, sagte Faeser. Zudem kündigte sie an, am Donnerstag mit den Innenministern der G7-Staaten darüber zu sprechen, „wie Geflüchtete auch in Staaten außerhalb der EU wie Kanada, den USA und Japan Schutz finden können„.

„Bitte keine Hamsterkäufe“

Bundesernährungsminister Cem Özdemir hat an die Bürger appelliert, wegen des Ukraine-Kriegs und steigender Preise beim Einkauf nicht in Panik zu verfallen und womöglich unnötig Vorräte anzulegen. „Bitte keine Hamsterkäufe, dafür besteht kein Anlass. Wir haben die Versorgung sichergestellt“, sagte der Grünen-Politiker in der Sendung „RTL Direkt“. Er habe gerade mit Vertretern des Handels gesprochen. „Und auch die haben sehr klar gesagt, wir haben die Lage im Griff, die Versorgung ist sichergestellt!“

Zuvor hatte sich auch schon der Vizepräsident des Handelsverbands Deutschland (HDE), Björn Fromm, im ZDF ähnlich geäußert. Trotz des russischen Ausfuhrstopps für Getreide werde es mittelfristig kein Problem mit der Getreideversorgung in Deutschland geben.

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haz/fw (dpa, afp, rtr, ap)

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert.




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