Ukraine aktuell: Es ist ein ″Abnutzungskrieg″ | Aktuell Europa | DW

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Das Wichtigste in Kürze:

  • NATO-Chef Stoltenberg sieht „Abnutzungskrieg“ in der Ukraine 
  • Präsident Selenskyj dankt für ausländische Waffenlieferungen
  • Hunderte Zivilisten sitzen in Bunker unter Chemiefabrik fest
  • Außenministerin Baerbock sichert Ukraine Solidarität zu

 

„Kriege sind von Natur aus unberechenbar“, sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg nach einem Treffen mit US-Präsident Joe Biden und dem Nationalen Sicherheitsberater Jake Sullivan im Weißen Haus in Washington. „Deshalb müssen wir uns einfach auf eine lange Strecke einstellen.“ Der Konflikt sei zu einem „Abnutzungskrieg“ geworden, in dem beide Seiten einen hohen Preis auf dem Schlachtfeld zahlten.

Stoltenberg bekräftigte zwar, dass die NATO nicht in eine direkte Konfrontation mit Russland eintreten wolle, betonte aber zugleich, das westliche Militärbündnis habe die „Verantwortung“, die Ukraine zu unterstützen. „Die meisten Kriege – und höchstwahrscheinlich auch dieser Krieg – enden irgendwann am Verhandlungstisch“, führte der Generalsekretär weiter aus. „Aber wir wissen, dass das, was am Verhandlungstisch passiert, sehr eng mit der Situation vor Ort, auf dem Schlachtfeld, verbunden ist.“

Chemiefabrik-Bunker als Zufluchtsort

In der schwer umkämpften Stadt Sjewjerodonezk im ostukrainischen Donbass harren hunderte Zivilisten in Bunkern unter einer Chemiefabrik aus. Die ukrainische Verwaltung des fast an Russland verlorenen Gebiets Luhansk berichtete von etwa 800 Menschen in der Fabrik Asot (Stickstoff). „Das sind Einheimische, die gebeten wurden, die Stadt zu verlassen, die sich aber geweigert haben. Auch Kinder sind dort, aber nicht sehr viele“, sagte Gouverneur Serhij Hajdaj dem US-Sender CNN.

Trotz des Vorrückens russischer Truppen in der Stadt wird die Fabrik weiter von ukrainischen Soldaten verteidigt. Ein Sprecher der prorussischen Separatisten von Luhansk warf der Ukraine vor, die Zivilisten in das Werk gelockt zu haben und sie mit Gewalt am Verlassen zu hindern.

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„Neuere Waffen sind effizienter“

Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hat den USA und anderen Verbündeten für die jüngsten Zusagen zur Lieferung moderner Waffen gedankt. In einer neuen Videoansprache erwähnte er vor allem die Mehrfachraketenwerfer vom Typ Himars aus den USA. „Diese Waffen werden wirklich dazu beitragen, das Leben unseres Volkes zu retten und unser Land zu schützen“, sagte Selenskyj. Eine Hilfe sei auch das neue sechste Sanktionspaket der EU gegen Russland mit einem weitgehenden Öl-Embargo. „Die Welt verzichtet endlich auf russisches Öl.“

Ukraine-Krieg - ukrainischer Parlamentspräsident in Berlin

Treffen in Berlin: Bundestagspräsidentin Bärbel Bas und ihr ukrainischer Kollege Ruslan Stefantschuk

Der ukrainische Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk forderte bei einem Besuch in Berlin die Lieferung deutscher Leopard- und Marder-Panzer in die Ukraine. „Natürlich brauchen wir vor allem moderne Waffen. Wir können auch mit alten Waffen aus alten Beständen kämpfen und standhalten, aber die neueren Waffen sind effizienter“, sagte Stefantschuk nach einem Treffen mit Bundestagsabgeordneten. „Deshalb erwarten wir sowohl die Marder als auch die Leoparden.“

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„Frieden gibt es nicht umsonst“

Einhundert Tage nach Kriegsbeginn hat Bundesaußenministerin Annalena Baerbock der Ukraine ihre Solidarität und weitere Waffenlieferungen zugesagt. In einem Gastbeitrag für die „Bild“-Zeitung betont Baerbock: „Wir werden der Ukraine weiter beistehen. So lange, bis es keine weiteren Butschas mehr gibt. Damit auch für die Menschen in der Ukraine das wieder normal ist, was für uns eine solche Selbstverständlichkeit ist: Ein Leben in Freiheit.“ Im Kiewer Vorort Butscha hatten Gräueltaten an der Zivilbevölkerung für internationales Entsetzen gesorgt. Die Ukraine zählte dort nach dem Abzug russischer Truppen mehr als 400 Leichen.

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„Putin setzt auf Ausdauer – und auf Erschöpfung bei uns“, so Baerbock weiter. „Jedem Dorf droht das Schicksal von Butscha. Deswegen müssen wir gerade jetzt der Ukraine weiter beistehen. Auch mit Waffen, weil Putin mit Worten nicht zu stoppen ist.“

Deutschland | Annalena Baerbock

Solidarität mit der Ukraine: Außenministerin Annalena Baerbock

„Gemeinsam mit unseren Partnern in EU und NATO stellen wir unsere Verteidigung neu auf“, schrieb Baerbock. Dabei sei klar: „Frieden gibt es nicht umsonst. Aber jeder Cent unserer Ausgaben ist eine Investition in Sicherheit und Freiheit, in die Freiheit Europas.“ Solange die Ukraine nicht sicher sei, sei auch Europa nicht sicher. „Wenn Putin in der Ukraine nicht gestoppt wird, droht immer neue Aggression.“ Deutschland habe als größtes Land der EU eine Verantwortung zu handeln.

Härte oder Zurückhaltung?

Die Deutschen sind in der Frage, welchen Kurs die Bundesregierung in der militärischen Unterstützung der Ukraine fahren sollte, geteilter Meinung. Jeder Zweite (50 Prozent) vertritt die Haltung, Deutschland solle dabei entschlossen agieren und Härte gegenüber Russland zeigen, wie eine Umfrage von infratest dimap für den ARD-„Deutschlandtrend“ ergab. 43 Prozent indes sagten, die Bundesregierung sollte eher zurückhaltend sein, um Russland nicht zu provozieren.

Gesellschaftlicher Frieden in Gefahr

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck erwartet große gesellschaftliche Auseinandersetzungen über die Folgekosten des Ukraine-Kriegs. „Wir werden einen dramatischen Anstieg der Heizkosten erleben“, sagte der Grünen-Politiker im Zweiten Deutschen Fernsehen. „Ob da dann die politischen Maßnahmen ausreichen, um gesellschaftlichen Frieden und das Gefühl, dass es fair in diesem Land zugeht, durchzuhalten, das wird die entscheidende Frage des Herbstes und des Winters werden. Da bin ich noch nicht ganz sicher“, erklärte Habeck auf die Frage, ob Deutschland bei der Unterstützung der Ukraine und den Sanktionen gegen Russland die Puste ausgehen könnte.

Deutschland I Robert Habeck

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Macht sich Sorgen: Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck

Hausverbot für Lobbyisten aus Russland

Das Europäische Parlament hat russischen Lobbyisten Hausverbot erteilt. Das Zutrittsverbot für Vertreter russischer Firmen gelte „ab sofort“ und für alle Gebäude des EU-Parlaments, teilte ein Parlamentssprecher mit. Vertretern russischer Unternehmen dürfe „keinerlei Raum“ gegeben werden, „um ihre Propaganda zu verbreiten“, twitterte EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola.

wa/mak (dpa, afp, rtr)

Dieser Artikel wird am Tag seines Erscheinens fortlaufend aktualisiert. Meldungen aus den Kampfgebieten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.




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