Ukraine aktuell: Selenskyj spricht zum Deutschen Bundestag | Aktuell Welt | DW

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Das Wichtigste in Kürze:

  • Ukrainischer Präsident spricht zum Deutschen Bundestag
  • Widersprüchliche Berichte über Angriff auf Theater in Mariupol
  • London: Russische Invasion ist ins Stocken geraten
  • Präsident Biden nennt Putin einen „Kriegsverbrecher“
  • USA sichern Ukraine Waffenlieferung in Höhe von 800 Millionen Dollar zu 

 

Die Menschen in der Ukraine wollten frei leben und sich nicht einem anderen Land unterwerfen, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Videobotschaft an die Abgeordneten des Bundestags. In seinem Land seien nun Zivilisten und Soldaten wahllos Ziel russischer Angriffe. „Wieder versucht man in Europa, das ganze Volk zu vernichten“, sagte er laut Übersetzung. Die Bundestagsabgeordneten waren vor der Rede aufgestanden und begrüßten den auf einer Videoleinwand zugeschalteten Selenskyj mit Applaus.

Deutschland Bundestag | Rede Wolodymyr Selenskyj

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht auf Videoleinwänden im Bundestag

„Reißen Sie diese Mauer nieder“

Selenskyj warf Deutschland vor, nicht genug getan zu haben, um den Krieg zu verhindern. Deutschland habe daran mitgewirkt, eine Mauer zu errichten, um die Ukraine zu isolieren und Russland auszuliefern, sagt er. Als Beispiel nannte er das lange Festhalten an der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 und die Weigerung des Westens, der Ukraine eine Mitgliedschaft in der NATO zu ermöglichen. An Bundeskanzler Olaf Scholz richtete Selenskyj zum Abschluss seiner rund zehnminütigen Rede den Appell: „Reißen Sie diese Mauer nieder, unterstützen Sie uns.“

Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt drückte in einer Rede Entsetzen über den russischen Krieg gegen die Ukraine aus und sicherte Kiew die Solidarität Deutschlands zu. „Wir sehen euch, wir sind in Gedanken bei euch und bei denen, die um euch trauern“, sagte die Grünen-Politikerin vor Selenskyjs Ansprache. Die Parlamentssitzung hatte mit leichter Verspätung begonnen. Es habe technische Probleme gegeben, weil es in Kiew „einen Anschlag in unmittelbarer Nähe“ gab, sagte Göring-Eckardt. 

Russland und Kiew beschuldigen sich gegenseitig

In der Ukraine habe Russland in belagerten Stadt Mariupol ein Theater angegriffen, in dem Zivilisten Zuflucht gefunden haben, meldete die Stadtverwaltung. Das Bürgermeisteramt teilte im Messengerdienst Telegram mit, in dem Gebäude hätten sich mehr als 1000 Menschen aufgehalten. Weil die russische Armee das Viertel, in dem das Theater liegt, fortgesetzt beschieße, könnten bislang keine Angaben über mögliche Opfer gemacht werden. Nach Angaben der Stadtverwaltung sind der zentrale Mittelteil des Gebäudes und der Eingang zum Schutzkeller des Komplexes zerstört worden. Die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ spricht von mindestens 500 Zivilisten in dem Theater. 

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Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba schrieb auf Twitter von einem „weiteren entsetzlichen Kriegsverbrechen in Mariupol“. „Heftiger russischer Angriff auf das Drama-Theater, wo sich Hunderte unschuldiger Zivilisten versteckt haben.“ Das Gebäude sei vollständig zerstört. „Die Russen müssen gewusst haben, dass dies ein ziviler Unterschlupf war“, so Kuleba.

Das Verteidigungsministerium in Moskau wies die Vorwürfe umgehend zurück. Russische Soldaten hätten keinerlei Luftangriffe gegen Bodenziele in Mariupol ausgeführt. Laut ihrer Darstellung haben ukrainische Soldaten das Theatergebäude zuerst vermint und dann angegriffen. 

Unabhängig überprüfen lassen sich weder die ukrainischen noch die russischen Angaben aus dem Kriegsgebiet.

Neben dem Theater soll ukrainischen Informationen zufolge am Mittwoch noch ein weiterer Ort in Mariupol bombardiert worden sein, an dem sich Zivilisten aufhielten. Getroffen worden sei ein Schwimmbad, in dem Frauen mit Kindern sowie Schwangere Schutz gesucht hätten, meldete die Agentur Unian. Auch für diesen Angriff machte die ukrainische Seite russische Soldaten verantwortlich.

Ukraine | Evakuierung zerstörter Häuser in Kiew

Flucht über Trümmer in der Hauptstadt Kiew

Die strategisch wichtige Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer ist seit Tagen von russischen Truppen eingekesselt und wird von mehreren Seiten aus beschossen. Rund 300.000 Menschen sind von der Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser, Strom oder Gas abgeschnitten. Mehr als 30.000 Menschen konnten inzwischen aus der Stadt fliehen, allein 11.000 Menschen am Mittwoch. Es sei ihnen gelungen, in privaten Autos aus der Stadt herauszukommen, teilte der Stadtrat mit.

Ukraine-Konflikt - Charkiw

Ausgebombtes Gebäude und ausgebrannte Fahrzeuge in Charkiw

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist beim Einschlag von Trümmerteilen einer abgefangenen Rakete in einem Hochhaus nach Behördenangaben mindestens ein Mensch getötet worden. Drei Bewohner seien verletzt worden, teilte der Rettungsdienst mit.

London: Russische Invasion stockt

Auch aus vielen anderen Orten in der Ukraine werden weiter heftige russische Angriffe gemeldet. Die ukrainische Regierung warnt vor einer drohenden humanitären Katastrophe im russisch besetzten Gebiet Cherson. Es fehle den Menschen an Medikamenten und teilweise an Nahrungsmitteln, schrieb die Menschenrechtsbeauftragte des ukrainischen Parlaments, Ljudmyla Denisowa, bei Telegram. Russland hat nach eigenen Angaben das südukrainische Gebiet Cherson rund um die gleichnamige Großstadt komplett besetzt.

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Großbritannien geht davon aus, dass die russische Invasion an allen Fronten weitgehend ins Stocken geraten ist. In den vergangenen Tagen habe es zu Land, Wasser und Luft nur ein minimales Fortkommen des russischen Militärs gegeben, heißt es in britischen Militärgeheimdienst-Berichten zur aktuellen Lage. Die russischen Streitkräfte erlitten demnach schwere Verluste. „Der ukrainische Widerstand bleibt standhaft und gut koordiniert“, erklärt das Londoner Verteidigungsministerium. Der überwiegende Teil des Landes einschließlich aller großen Städte sei weiterhin in ukrainischen Händen.

Biden nennt Putin einen „Kriegsverbrecher“ – Russland reagiert empört

US-Präsident Joe Biden hat Kremlchef Wladimir Putin im Zusammenhang mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine erstmals als „Kriegsverbrecher“ bezeichnet. Bei einem Gespräch mit Journalisten in Washington sagte Biden: „Ich denke, er ist ein Kriegsverbrecher.“ Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, sagte, Biden habe „aus dem Herzen gesprochen“, nachdem er im Fernsehen Bilder von „barbarischen Taten eines brutalen Diktators durch seine Invasion eines fremden Landes“ gesehen habe. Die formelle Prüfung, ob Putin Kriegsverbrechen begangen habe, laufe im US-Außenministerium.

USA Washington | Präsident Joe Biden zu Ukrainekrieg

Joe Biden warf Putin „Gräueltaten“ bei dem von ihm befohlenen Angriffskrieg auf die Ukraine vor

Russland wies den Vorwurf vehement zurück. Bidens Bemerkung sei „inakzeptable und unverzeihliche Rhetorik“, sagte Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Tass.

USA sichern Ukraine weitere Waffenlieferungen zu 

Präsident Biden kündigte weitere Waffenlieferungen und Militärhilfen für die Ukraine in Höhe von 800 Millionen Dollar (730 Millionen Euro) an. Damit würden der Ukraine Tausende Panzerabwehrwaffen, rund 800 Luftabwehrraketen, 7000 Feuerwaffen wie Maschinenpistolen, zahlreiche Granatwerfer, 20 Millionen Schuss Munition und sogar Drohnen zur Verfügung gestellt, sagte Biden im Weißen Haus. „Amerika steht zu den Kräften der Freiheit.“ Die USA würden die Ukraine so lange wie nötig unterstützen, sagte der Präsident. Mit Hilfe der neuen Luftabwehrraketen könnten die Ukrainer auch weiterhin Russlands „Flugzeuge und Helikopter stoppen“ und den ukrainischen Luftraum verteidigen, sagte Biden. Andere Länder, darunter auch Deutschland, haben der Ukraine ebenfalls Waffen geliefert oder zugesagt.

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Selenskyj wirbt um mehr westliche Unterstützung

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich mit einer eindringlichen Videoansprache an den amerikanischen Kongress gewendet und seine Forderung nach mehr militärischer Unterstützung und insbesondere einer von der NATO kontrollierten Flugverbotszone bekräftigt. Diese würde es der russischen Luftwaffe erschweren, Ziele in der Ukraine anzugreifen. Der Westen lehnt die Flugverbotszone ab, weil er befürchtet, dass dies eine direkte Verwicklung der NATO in den Ukraine-Krieg zur Folge hätte. 

Norwegen will den europäischen Partnerstaaten mehr Erdgas liefern

Norwegen will Deutschland und anderen europäischen Staaten helfen, die Abhängigkeit von Öl- und Gaslieferungen aus Russland zu verringern. Es werde alles versucht, um die Gasproduktion zu erhöhen, sagte Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Störe beim Besuch des deutschen Wirtschaftsministers Robert Habeck in Oslo. Der staatlich dominierte Lieferant Equinor werde im Sommer zusätzlich 1,4 Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa bringen können. Zudem wolle Norwegen Deutschland mit Spezialschiffen für Flüssiggas helfen. Diese sollen den Brennstoff noch vor der Küste wieder in gasförmigen umwandeln können, damit er anschließend an Land gebracht werden kann.

Russlands Krieg erneut Thema im Sicherheitsrat

Der UN-Sicherheitsrat will zum neunten Mal seit der Eskalation in der Ukraine über Russlands Angriffskrieg beraten. Die Dringlichkeitssitzung des mächtigsten UN-Gremiums wurde unter anderem von Irland, Großbritannien, den USA, Frankreich, Albanien und Norwegen beantragt. In einem Tweet sagte die britische UN-Vertretung zur Begründung: „Russland begeht Kriegsverbrechen und greift Zivilisten an.“

nob/pg/qu/mak (dpa, rtr, afp, ap)

Dieser Artikel wird am Tag des Erscheinens fortlaufend aktualisiert.




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