UN sprechen von ″humanitärer Katastrophe″ in Afghanistan | Aktuell Asien | DW

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Mit Pul-i Alam haben die militant-islamistischen Taliban eine Provinzhauptstadt nur rund 70 Kilometer südlich von der Hauptstadt Kabul erobert. Die Islamisten hätten die wichtigsten Regierungseinrichtungen der Stadt übernommen und den Provinzgouverneur sowie den Geheimdienstchef gefangen genommen, sagten ein Provinzrat und ein Parlamentarier Agenturberichten zufolge.

Nahe an Kabul

Pul-i Alam mit seinen geschätzt 120.000 Einwohnern ist die Hauptstadt der Provinz Logar im Osten des Landes. Aus Sicherheitskreisen heißt es seit längerem, dass in der Provinz Logar Taliban-Kämpfer für einen Angriff auf Kabul versammelt werden. Die Taliban kontrollieren fünf der sieben Bezirke, die beiden in der Nähe zur Provinz Kabul liegenden – Choschai und Mohammed Agha – sind umkämpft.

Angesichts des Vormarsches der militant-islamistischen Aufständischen hatten die USA angekündigt, ihr Botschaftspersonal in den kommenden Wochen auf ein Minimum zu reduzieren.  Außerdem sollen 3000 zusätzliche Soldaten zur Sicherung des Flughafens nach Kabul verlegt werden, um den Abzug von Teilen des Personals zu unterstützen. Außenministerium und Verteidigungsministerium in Washington stellten in Aussicht, dass die Truppen sehr schnell am Hindukusch sein sollen.

Zugleich versicherte der Sprecher des Außenministeriums, Ned Price, die Botschaft in Kabul bleibe an ihrem derzeitigen Standort geöffnet. “Es handelt sich nicht um eine Evakuierung. Es handelt sich nicht um einen vollständigen Rückzug”, so Price. “Wir haben vor, unsere diplomatische Arbeit fortzusetzen”. Die Taliban hätten klar und deutlich gesagt, dass sie nicht darauf aus seien, diplomatische Einrichtungen anzugreifen, so Price weiter.

US-Militär schickt 3000 zusätzliche Soldaten zum Flughafen Kabul

Ein afghanischer Polizist in Herat – auch hier haben die Taliban inzwischen die Überhand

Derweil haben die Taliban einem Lokalpolitiker zufolge nach der Einnahme der Stadt Herat einen wichtigen Milizen-Kommandeur in ihre Gewalt gebracht. Mohammed Ismail Khan sei zusammen mit dem Provinzgouverneur und Sicherheitsbeamten den Taliban übergeben worden, sagt Provinzratsmitglied Ghulam Habib Haschimi. Die Taliban hätten zugesagt, den Beamten keinen Schaden zuzufügen. Kahn ist einer der prominentesten Milizenführer Afghanistans. Er hatte zuletzt Verbände gegen die Taliban angeführt. 

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Seehofer will alles für Ortskräfte tun 

In Berlin versicherte Bundesinnenminister Horst Seehofer, er wolle alle in dem Land verbliebenen ehemaligen Mitarbeiter Deutschlands schnellstmöglich ausfliegen lassen. “Die Situation in Afghanistan wird immer bedrohlicher”, erklärt der CSU-Politiker. “Ob Charterflüge oder Visa-Erteilung nach Ankunft in Deutschland: Ich unterstütze alle Maßnahmen, die eine schnelle Ausreise unserer Ortskräfte und ihrer Familien ermöglichen”, fügte er mit Blick auf die ehemaligen afghanischen Unterstützer Deutschlands hinzu. “Am Innenministerium wird die zügigen Ausreise der Ortskräfte und ihrer Familien nicht scheitern. Für Bürokratie ist keine Zeit, wir müssen handeln.” Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte am Vortag erklärt, einige Ausreisen würden daran scheitern, dass die afghanischen Behörden gültige Ausweisdokumente verlangten.

Nach Einschätzung der Vereinten Nationen wird die Lage der Menschen in Afghanistan immer bedrohlicher. “Wir stehen kurz vor einer humanitären Katastrophe”, sagte eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Genf. Vor allem Frauen und Kinder würden vor den vorrückenden Taliban flüchten. Inzwischen sei die Lebensmittelversorgung von etwa einem Drittel der Bevölkerung nicht mehr sichergestellt, teilte zusätzlich ein Sprecher des Welternährungsprogramms mit.

ml/mak (dpa, afp, rtr)




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