US-Behörden empfehlen Aussetzung von Johnson & Johnson-Impfungen | Aktuell Amerika | DW

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Die US-Gesundheitsbehörden raten zu einer sofortigen Aussetzung von Corona-Impfungen mit dem Vakzin von Johnson & Johnson. Die Arzneimittelbehörde FDA und das Seuchenzentrum CDC begründeten dies in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Auftreten seltener Sinusvenenthrombosen, die in sechs Fällen nach Impfungen mit dem Produkt des US-Pharmakonzerns gemeldet wurden.

Frauen im Alter von 18 bis 48 Jahren betroffen

Von dem Ende Februar in den USA zugelassen Impfstoff seien bislang mehr als 6,8 Millionen Dosen landesweit gespritzt worden. Für eine vollständige Immunisierung ist anders als bei anderen Corona-Vakzinen bei demjenigen von Johnson & Johnson nur eine Dosis notwendig. Die sechs Sinusvenenthrombosen-Fälle seien zwischen 6 und 13 Tage nach der Impfung aufgetreten. In drei Fällen sei zusätzlich eine Thrombozytopenie, also ein Mangel an Blutplättchen, gemeldet worden. Es handele sich um Frauen im Alter zwischen 18 und 48 Jahren.

USA Atlanta Centers for Disease Control and Prevention CDC

Das US-Seuchenzentrum CDC in Atlanta zieht Konsequenzen

Alle Fälle würden nun genauer untersucht. Bis ein Ergebnis vorliege, werde als Vorsichtsmaßnahme die vorübergehende Aussetzung der Impfungen mit Johnson & Johnson empfohlen. Der Hersteller erklärte in einer ersten Stellungnahme, die Fälle seien bekannt. Ein klarer kausaler Zusammenhang sei bislang nicht nachgewiesen worden. 

Auswirkungen auf EU unklar

Ob die neuen Erkenntnisse Auswirkungen auf die Impfungen mit dem Präparat in der EU haben werden, ist noch offen. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte vergangene Woche mitgeteilt, Fälle von Thrombosen nach einer Impfung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson zu prüfen. Es seien vier ernsthafte Fälle von Blutgerinnseln aufgetreten, eine Person sei gestorben. Die Behörde hatte betont, dass ein Zusammenhang mit dem Impfstoff des US-Herstellers noch nicht festgestellt worden sei.

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Am 12. April hat Johnson & Johnson mit der Lieferung seines Vakzins in die EU-Staaten begonnen. Die Brüsseler Behörde erwartet bis Ende Juni 55 Millionen Dosen des Impfstoffs. Gut 10 Millionen Dosen sollen nach Deutschland gehen.

Schwere Nebenwirkungen wie bei AstraZeneca

Eine Häufung von Sinusvenenthrombosen in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und Blutungen waren zuvor in Europa kurz nach der Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca beobachtet worden. Im März hatten daraufhin Deutschland und andere EU-Länder die Impfungen mit dem Produkt des schwedisch-britischen Herstellers vorübergehend ausgesetzt.

Bei den Produkten von AstraZeneca und Johnson & Johnson handelt es sich um sogenannte vektorbasierte Impfstoffe. Sie nutzen ein harmloses Virus, um Erbinformationen des Coronavirus in den Körper zu schleusen. Mit Hilfe dieser Informationen wird im Körper des Geimpften ein Viruseiweiß gebildet, genauer gesagt das Spike-Protein auf der Oberfläche des Coronavirus.

Forscher rätseln noch

Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, hatte kürzlich auf Twitter die Vermutung geäußert, dass die Adenoviren, die in beiden Impfstoffen als Träger genutzt werden, die seltenen Nebenwirkungen verursachen. Der Greifswalder Forscher Andreas Greinacher macht das Auftreten bestimmter Antikörper für die Thrombosen verantwortlich. Es sei denkbar, dass die Betroffenen etwas in ihrem Körper hätten, was sie dafür anfällig mache, diese speziellen Antikörper zu produzieren. Was das sei, sei noch unklar, erklärte er.

ww/kle (dpa, afp, rtr)




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