US-Richterin verhindert Hinrichtung | Aktuell Amerika | DW

US-Richterin verhindert Hinrichtung | Aktuell Amerika | DW

0 Von


Seine Tat war grausam: Orlando Hall ist verurteilt wegen der Ermordung einer gemeinsam mit Komplizen entführten 16-Jährigen aus Texas. Der Afroamerikaner soll die junge Frau mit einer Schaufel niedergeschlagen und lebendig begraben haben. Deshalb wurde Hall 1995 zum Tode verurteilt. An diesem Donnerstag sollte der inzwischen 49-Jährige hingerichtet werden – auf Drängen der Regierung von US-Präsident Donald Trump.

Nun läuft ein juristisches Ringen um die Vollstreckung dieses und weiterer Urteile. Üblicherweise verzichten scheidende US-Regierungen darauf, die Vollstreckung ausstehender Todesurteile durchzusetzen. Die Administration von Donald Trump macht auch auf diesem Gebiet eine Ausnahme und bricht mit einer 131 Jahre alten Tradition, in Zeiten der Regierungsübergabe auf Hinrichtungen zu verzichten, damit die neue Regierung die Verantwortung übernehmen kann.

Verbot grausamer Bestrafung

Doch wenige Stunden vor der anstehenden Tötung per Giftspritze stoppte Bundesrichterin Tanya Chutkan die Exekution von Orlando Hall. Die Hinrichtung im Bundesgefängnis von Terre Haute in Indiana müsse ausgesetzt werden, da noch Verfassungsfragen abzuwägen seien, die von Halls Verteidigern aufgeworfen wurden.

USA Washington Richterin Tanya Chutkan (ZUMA Wire/imago images)

Richterin Chutkan (Archiv): “Zutiefst besorgt”

Anwälte von Todeskandidaten berufen sich auf den achten Verfassungszusatz, der grausame Bestrafung verbietet. Sie argumentieren, dass die verabreichte Todesdroge “Pentobarbital” unerträgliche Schmerzen verursache. Sie fordern die Zugabe eines weiteren Medikaments, das die Leiden der Betroffenen lindert.

“Das Gericht ist zutiefst besorgt darüber, dass die Regierung beabsichtigt, mit einer Hinrichtungsmethode fortzufahren, die nach Ansicht dieses Gerichts und des Berufungsgerichts gegen Bundesrecht verstößt”, schrieb Chutkan in der Entscheidung. Weniger als eine Stunde nach ihrem Urteil legte das Justizministerium in Washington Berufung ein.

USA Washington Justizministerium

US-Justizministerium in Washington: Bruch mit einer 131 Jahre alten Tradition

Empfehlung:   Corona aktuell: Rekord bei Neuinfektionen | Aktuell Welt | DW

Orlando Hall bestreitet seine Tatbeteiligung nicht. Doch seine Anwälte argumentieren unter anderem damit, dass drei der fünf an dem Verbrechen beteiligten Personen Gefängnisstrafen erhielten, weil sie gegen Hall und einen anderen Mann aussagten, der ebenfalls zum Tode verurteilt wurde. Weil die Jury, die damals das Todesurteil gegen Hall fällte, allein mit weißen US-Bürgern besetzt war, steht zudem der Vorwurf des Rassismus im Raum. Verurteilte Afroamerikaner würden viel häufiger die Todesstrafe bekommen als Weiße, so die Anwälte.

Protest der Kirche

Auch die katholischen US-Bischöfe haben die Regierung in Washington aufgefordert, die geplanten Hinrichtungen zu stoppen. Die Ausschussvorsitzenden für soziale Gerechtigkeit und Lebensschutz, die Erzbischöfe Paul Coakley und Joseph Naumann, verwiesen in einer gemeinsamen Erklärung auf Halls und zwei weitere für Dezember geplante Exekutionen: “Wir werden zehn Hinrichtungen auf Bundesebene im Jahr 2020 haben, mehr als doppelt so viele wie der bisherige Höchststand von vier Hinrichtungen im Jahr 1938”, so die Bischöfe.

Justizminister William Barr hatte 2019 ein jahrelang gültiges Hinrichtungsmoratorium für Todeskandidaten in Bundesgefängnissen aufgehoben. Der Oberste US-Gerichtshof lehnte die Berufungsanträge der Todeskandidaten im Juni 2020 ab. Der gewählte neue US-Präsident Joe Biden hat im Wahlkampf angekündigt, dass er im Kongress ein Gesetz zur Abschaffung der Todesstrafe anstrebe.

AR/rb (ap, rtr, afp, kna)




Dieser Beitrag ist ein öffentlicher RSS Feed. Sie finden den Original Post unter folgender Quelle (Website) .

DigistoreProfi stellt den RSS-Nachrichtendienst nur zur Verfügung und distanziert sich vor Falschmeldungen oder Irreführung. Unsere Nachrichten soll lediglich zum Informationsaustausch genutzt werden.