Vormarsch der Taliban: Die neue Lage in Afghanistan | Aktuell Asien | DW

Vormarsch der Taliban: Die neue Lage in Afghanistan | Aktuell Asien | DW

0 Von


Die afghanische Bürokratie verzögert nach den Worten von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer derzeit die Ausreise ehemaliger Ortskräfte, die wegen ihres Engagements für die Bundeswehr um ihr Leben fürchten müssen. „Es gibt im Moment einen Engpass. Das ist die Tatsache, dass die afghanische Seite selbst die Leute nur aus dem Land lässt, wenn sie einen afghanischen Reisepass haben“, sagte die CDU-Politikerin im ZDF.

Deutschland Berlin Annegret Kramp-Karrenbauer

Will die Hilfskräfte der Bundeswehr aus der bedrohten Lage befreien: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer

Das Auswärtige Amt versuche derzeit, die afghanische Regierung von dieser Praxis abzubringen. Da müsse „diplomatisch und politisch gearbeitet werden“. Auf die Frage, ob sie eine Rückkehr der Bundeswehr nach Afghanistan ablehne, um die Betroffenen aus dem Land herauszuholen, sagte Kramp-Karrenbauer: „Wir sehen im Moment die andere Möglichkeit.“ Daran werde „Tag und Nacht“ gearbeitet, weil man sich in der Pflicht sehe, „dass die Leute rauskommen“.

„Keinen Cent mehr“

Bundesaußenminister Heiko Maas sagte im ZDF, es seien bislang Visa für 2500 Personen ausgestellt worden. 1500 von ihnen seien bereits in Deutschland. Der SPD-Politiker erklärte mit Blick auf den Vormarsch der Aufständischen in dem Land, Deutschland unterstütze Kabul derzeit mit 430 Millionen Euro im Jahr. „Wir werden keinen Cent mehr nach Afghanistan geben, wenn die Taliban dieses Land komplett übernommen haben, die Scharia einführen und dieses Land ein Kalifat wird“, unterstrich Maas.

Unterdessen ist die wichtige Provinzhauptstadt Gasni im Südosten des Landes an die militant-islamistischen Taliban gefallen. Das bestätigten drei Provinzräte. Gasni liegt weniger als 150 Kilometer von der Hauptstadt Kabul entfernt. Die Taliban seien überall in Gasni sagten die Provinzräte. Sie hätten das Gefängnis übernommen, den Sitz des Gouverneurs und das Polizeihauptquartier. Nur der Geheimdienst kämpfe noch gegen die Extremisten um sein Gebäude. Der Gouverneur der gleichnamigen Provinz habe ein geheimes Abkommen mit den Taliban geschlossen und so die Stadt praktisch an die Islamisten ausgeliefert, hieß es.

Empfehlung:   USA schicken weitere Truppen nach Kabul | Aktuell Asien | DW

Die Bedeutung der Stadt Gasni

Gasni hat etwa 180.000 Einwohner und liegt an der wichtigen Ringstraße, die die größten Städte des Landes verbindet. Aufgrund der Nähe zu Kabul hatten die Taliban bereits öfter versucht, Gasni unter ihre Kontrolle zu bringen. Im Sommer 2018 waren bei einem Großangriff auf die Stadt von über 1000 Taliban-Kämpfern mehr als 100 Polizisten und Soldaten und rund 20 Zivilisten getötet worden. Nun, nach dem Abzug der US- und NATO-Truppen, hat sich die Situation gewandelt. 

Abschiebung von Flüchtlingen nach Afghanistan | Flugzeug München

Abschiebeflüge – wie diesen aus München – soll es vorerst nicht mehr geben

Wegen der dramatischen Verschlechterung der Sicherheitslage in Afghanistan hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Vortag eine deutliche Kehrtwende der bisherigen Politik vollzogen. „Der Bundesinnenminister hat aufgrund der aktuellen Entwicklungen der Sicherheitslage entschieden, Abschiebungen nach Afghanistan zunächst auszusetzen“, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Eine in der vergangenen Woche verschobene Abschiebung von sechs Afghanen wird zunächst nicht mehr nachgeholt. Menschenrechtsorganisationen begrüßten die Entscheidung.

ml/mak (dpa, afp)




Dieser Beitrag ist ein öffentlicher RSS Feed. Sie finden den Original Post unter folgender Quelle (Website) .

DigistoreProfi stellt den RSS-Nachrichtendienst nur zur Verfügung und distanziert sich vor Falschmeldungen oder Irreführung. Unsere Nachrichten soll lediglich zum Informationsaustausch genutzt werden.